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Piranhas und Guppys: In der Erft tummeln
sich Exoten
Die Erft ist weder der bekannteste,
noch der größte Fluss Deutschlands. Doch in einem Teil
des 105 Kilometer langen Wasserlaufs gedeihen Tiere und Pflanzen,
die sonst nur in den Tropen vorkommen. Selbst Piranhas wurden
ge- sichtet.
Von Tim Braune, dpa
Bergheim (dpa) - «Die Erft
ist kein normaler Fluss», sagt der Biologe Udo Rose vom
Erft-Verband in Bergheim. Im Unterlauf westlich von Köln
sprießen brasilianische Tausendblätter und südamerikanische
Wasserpest. Hinzu kommen mehr als 300 einheimische Arten, darunter
die spitze Blasenschnecke, der gesäumte Plattegel und die
gebänderte Prachtlibelle.
Grund für das pralle Leben
unter und über Wasser sind die außergewöhnlichen
Temperaturen der Erft, die an der Wasserscheide zwischen Rhein
und Maas entspringt und sich durch die Mittelgebirge schlängelt.
Jährlich pumpt die nordrhein-westfälische
Braunkohle-Industrie rund 300 Millionen Kubikmeter Grundwasser
in den Fluss. Das klare, aber warme Wasser wird aus den Fördergebieten
abgeleitet, damit sich die gigantischen Radbagger immer tiefer
in die Erde graben können.
«Durch die Einleitung der
Sümpfungswässer aus dem Braun- kohletagebau hat die
Erft sogar im Winter eine durchschnittliche Wassertemperatur von
15 Grad», sagt Rose. Im Sommer wird das Gewässer bis
zu 28 Grad warm.
Seit den 60er Jahren werden thermische
Anomalien registriert. «Diese Sümpfungswasser kommen
aus Tiefen von bis zu 400 Metern unter Tage und sind entsprechend
warm. Bei einem Anteil von 20 bis 30 Prozent Erftwasser gegenüber
70 bis 80 Prozent der Sümpfungswässer beherrscht es
den Wasser- chemismus ganz besonders», schreibt Prof. Günther
Friedrich in einer Erft-Studie des Landesumweltamts in Essen.
Angler trauten in den 90er Jahren
ihren Augen nicht, als zwei Piranhas an ihren Ruten zappelten.
Piranhas kommen in ihrer südamerikanischen Heimat bevorzugt
in trüben, langsam fließenden Gewässern des Amazonas
und in Lagunen des Überschwemmungswaldes vor. Dort fressen
sie tote und kranke Tiere. Deshalb gelten die Raubfische als die
«Gesundheitspolizei der Gewässer».
«Ich glaube aber nicht,
dass sich Piranhas in der Erft dauerhaft vermehren können.
Das sind Viecher, die immer wieder mal von Aquariumsbesitzern
ausgesetzt wurden», sagt der Experte Rose. Die kleinen Fische
mit den messerscharfen Zähnen könn- ten vermutlich nur
ein bis zwei Monate in der Erft überleben.
Hartnäckiger als Piranhas
sind ausgewilderte Sonnenbarsche, Guppys und Rotwangenschildkröten.
Als erste exotische Pflanze in dem Fluss wurde die in Indien beheimatete
Rotalge «Compsopogon hookeri» bereits in den 60er
Jahren als Erstfund für Europa beschrieben.
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