vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   N a t u r   &   T i e r e

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 28.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Piranhas und Guppys: In der Erft tummeln sich Exoten

Die Erft ist weder der bekannteste, noch der größte Fluss Deutschlands. Doch in einem Teil des 105 Kilometer langen Wasserlaufs gedeihen Tiere und Pflanzen, die sonst nur in den Tropen vorkommen. Selbst Piranhas wurden ge- sichtet.

Von Tim Braune, dpa

Bergheim (dpa) - «Die Erft ist kein normaler Fluss», sagt der Biologe Udo Rose vom Erft-Verband in Bergheim. Im Unterlauf westlich von Köln sprießen brasilianische Tausendblätter und südamerikanische Wasserpest. Hinzu kommen mehr als 300 einheimische Arten, darunter die spitze Blasenschnecke, der gesäumte Plattegel und die gebänderte Prachtlibelle.

Grund für das pralle Leben unter und über Wasser sind die außergewöhnlichen Temperaturen der Erft, die an der Wasserscheide zwischen Rhein und Maas entspringt und sich durch die Mittelgebirge schlängelt.

Jährlich pumpt die nordrhein-westfälische Braunkohle-Industrie rund 300 Millionen Kubikmeter Grundwasser in den Fluss. Das klare, aber warme Wasser wird aus den Fördergebieten abgeleitet, damit sich die gigantischen Radbagger immer tiefer in die Erde graben können.

«Durch die Einleitung der Sümpfungswässer aus dem Braun- kohletagebau hat die Erft sogar im Winter eine durchschnittliche Wassertemperatur von 15 Grad», sagt Rose. Im Sommer wird das Gewässer bis zu 28 Grad warm.

Seit den 60er Jahren werden thermische Anomalien registriert. «Diese Sümpfungswasser kommen aus Tiefen von bis zu 400 Metern unter Tage und sind entsprechend warm. Bei einem Anteil von 20 bis 30 Prozent Erftwasser gegenüber 70 bis 80 Prozent der Sümpfungswässer beherrscht es den Wasser- chemismus ganz besonders», schreibt Prof. Günther Friedrich in einer Erft-Studie des Landesumweltamts in Essen.

Angler trauten in den 90er Jahren ihren Augen nicht, als zwei Piranhas an ihren Ruten zappelten. Piranhas kommen in ihrer südamerikanischen Heimat bevorzugt in trüben, langsam fließenden Gewässern des Amazonas und in Lagunen des Überschwemmungswaldes vor. Dort fressen sie tote und kranke Tiere. Deshalb gelten die Raubfische als die «Gesundheitspolizei der Gewässer».

«Ich glaube aber nicht, dass sich Piranhas in der Erft dauerhaft vermehren können. Das sind Viecher, die immer wieder mal von Aquariumsbesitzern ausgesetzt wurden», sagt der Experte Rose. Die kleinen Fische mit den messerscharfen Zähnen könn- ten vermutlich nur ein bis zwei Monate in der Erft überleben.

Hartnäckiger als Piranhas sind ausgewilderte Sonnenbarsche, Guppys und Rotwangenschildkröten. Als erste exotische Pflanze in dem Fluss wurde die in Indien beheimatete Rotalge «Compsopogon hookeri» bereits in den 60er Jahren als Erstfund für Europa beschrieben.


© dpa

Selbst im Winter findet der Biologe Udo Rose vom Erftverband exotische Pflanzen im Flusslauf wie diese Argentinische Wasserpest (egeria denser). In dieser Region sonst nur als Aquariumspflanze beliebt, hat sich das Kraut inzwischen in der Erft heimisch gemacht.

 

 Mehr Informationen:

vista verde: Neozoen

 

 Lesen Sie auch:

Symposium: Stündlich drei Tier- und Pflanzenarten weniger

Everglades: Schnelle Rückkehr der Watvögel

Amazonas: Beschleunigte Abholzung des Regenwaldes

Meeresumwelt: Stickstoff gegen Einwanderer

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung