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Experte: Krieg schneller als Selbstheilungs-Tempo
der Natur
Die Natur am Persischen Golf
ist mit ihren Fähigkeiten zur Wieder-Gesundung dem Kriegs-Tempo
der Menschen nicht gewachsen.
Von Manfred Protze, dpa
Oldenburg/Kuwait (dpa) - «Eine
Regeneration der in Kriegen mit Öl verseuchten Wattenmeer-Zonen
am Golf braucht Jahrzehnte. Die Kriege in der Region haben in
den letzten Jahrzehnten das Gebiet in kürzeren Abständen
überzogen als die Erholungs-Kreisläufe der Natur es
aushalten können», sagte der Olden- burger Umwelt-Biologe
Professor Thomas Höpner. Sie ließen einer Regeneration
der betroffenen Wattenmeere kaum eine Chance.
Höpner hat gemeinsam mit
anderen europäischen Forschern seit 1992 verseuchte Golfstrände
in Saudi-Arabien untersucht. Das Geld dafür gaben die Europäische
Union, das Bundesforschungs- ministerium und das Saudi-arabische
Umweltministerium. Sie wollten nach dem vergangenen Golfkrieg
ein nationalpark- ähnliches Schutzgebiet an der Küste
des Golfs, nahe der saudischen Industriestadt Jubail, auf den
Weg bringen. Nach Schätzungen der Forscher wurde zu Kriegszwecken
eine Million Tonnen Erdöl ins Meer geleitet, «die schwerste
marine Ölkatastrophe aller Zeiten.»
Die Wissenschaftler richteten
insgesamt 21 Mess- und Beobachtungspunkte im saudischen Wattenmeer
ein. Als Vergleich nutzten sie die Erkenntnisse aus dem Wattenmeer
der Nordsee. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt nach dem
Höpner-Bericht eine Enttäuschung: Anders als von den
Biologen angenommen erhöht stärkere Sonneneinstrahlung
das Tempo selbst-heilender biologischer Vorgänge nicht. Im
Gegenteil. Die im Süden stärkere Sonne trocknet das
bei Ölkatastrophen entstehende Öl-Sand-Gemisch schnell
aus. Damit sorgt sie für eine kaum durchdringliche asphalt-ähnliche
Decke über dem verseuchten Watt.
Die Gesundung des Watts an der
Nordseeküste geht nach Test- Untersuchungen von Höpner
dagegen deutlich schneller voran. Hauptantriebskräfte dafür
seien Wellen und Strömung. Sie sind in der Golfregion vergleichsweise
gering.
Kleine Strand-Krabben sind nach
dem Bericht von Höpner die wichtigsten Motoren für eine
Heilung der ökologisch empfind- lichen Watten-Region am Golf.
Eher als standort-typische Pflanzen hätten sie an einigen
Stellen die verseuchten Zonen zurück erobert, allerdings
nur mit einer Geschwindigkeit von wenigen Metern pro Jahr. Ihrer
Wühlarbeit seien dann Salzwasserpflanzen gefolgt. Wegen des
gemäßigten Natur-Tempos werden bei der Wiederherstellung
des ursprünglichen Zustands «zehn Jahre nicht einmal
die Halbzeit sein», vermutet Höpner.
Ursprünglich große
Hoffnungen für den Erholungsprozess hätten die Wissenschaftler
auf Cyano-Bakterien (Blaualgen) gesetzt, berichtet der Oldenburger
Umwelt-Wissenschaftler. Die Erwartungen seien jedoch enttäuscht
worden. Die Bakterien überwucherten zwar in Matten die Öl
verseuchten Strände und rissen die geschlossenen Asphalt-Decken
auf. Öl abgebaut hätten sie jedoch nicht.
Nach dem Urteil von Höpner
hat nicht nur der Golfkrieg von 1990/1991 massive Umweltschäden
an den Stränden des Golfs verursacht. Bereits der vorangegangene
Krieg zwischen Iran und Irak habe mit der Freisetzung von Öl
dauerhaft zerstöre- rische Spuren in der Region hinterlassen.
Bisher sei über die Öko-Folgen des Golf-Kriegs von 1983/1984
kaum etwas bekannt.
Über die kuwaitische Küste
wüssten die Wissenschaftler allerdings genau, dass es dort
weit reichende Verseuchungen aus dem zweiten Golfkrieg gebe. «Wenn
auch meist von frischem hellem Sand überdeckt», sagt
der Oldenburger Wissenschaftler.
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