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- 15.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Experte: Krieg schneller als Selbstheilungs-Tempo der Natur

Die Natur am Persischen Golf ist mit ihren Fähigkeiten zur Wieder-Gesundung dem Kriegs-Tempo der Menschen nicht gewachsen.

Von Manfred Protze, dpa

Oldenburg/Kuwait (dpa) - «Eine Regeneration der in Kriegen mit Öl verseuchten Wattenmeer-Zonen am Golf braucht Jahrzehnte. Die Kriege in der Region haben in den letzten Jahrzehnten das Gebiet in kürzeren Abständen überzogen als die Erholungs-Kreisläufe der Natur es aushalten können», sagte der Olden- burger Umwelt-Biologe Professor Thomas Höpner. Sie ließen einer Regeneration der betroffenen Wattenmeere kaum eine Chance.

Höpner hat gemeinsam mit anderen europäischen Forschern seit 1992 verseuchte Golfstrände in Saudi-Arabien untersucht. Das Geld dafür gaben die Europäische Union, das Bundesforschungs- ministerium und das Saudi-arabische Umweltministerium. Sie wollten nach dem vergangenen Golfkrieg ein nationalpark- ähnliches Schutzgebiet an der Küste des Golfs, nahe der saudischen Industriestadt Jubail, auf den Weg bringen. Nach Schätzungen der Forscher wurde zu Kriegszwecken eine Million Tonnen Erdöl ins Meer geleitet, «die schwerste marine Ölkatastrophe aller Zeiten.»

Die Wissenschaftler richteten insgesamt 21 Mess- und Beobachtungspunkte im saudischen Wattenmeer ein. Als Vergleich nutzten sie die Erkenntnisse aus dem Wattenmeer der Nordsee. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt nach dem Höpner-Bericht eine Enttäuschung: Anders als von den Biologen angenommen erhöht stärkere Sonneneinstrahlung das Tempo selbst-heilender biologischer Vorgänge nicht. Im Gegenteil. Die im Süden stärkere Sonne trocknet das bei Ölkatastrophen entstehende Öl-Sand-Gemisch schnell aus. Damit sorgt sie für eine kaum durchdringliche asphalt-ähnliche Decke über dem verseuchten Watt.

Die Gesundung des Watts an der Nordseeküste geht nach Test- Untersuchungen von Höpner dagegen deutlich schneller voran. Hauptantriebskräfte dafür seien Wellen und Strömung. Sie sind in der Golfregion vergleichsweise gering.

Kleine Strand-Krabben sind nach dem Bericht von Höpner die wichtigsten Motoren für eine Heilung der ökologisch empfind- lichen Watten-Region am Golf. Eher als standort-typische Pflanzen hätten sie an einigen Stellen die verseuchten Zonen zurück erobert, allerdings nur mit einer Geschwindigkeit von wenigen Metern pro Jahr. Ihrer Wühlarbeit seien dann Salzwasserpflanzen gefolgt. Wegen des gemäßigten Natur-Tempos werden bei der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands «zehn Jahre nicht einmal die Halbzeit sein», vermutet Höpner.

Ursprünglich große Hoffnungen für den Erholungsprozess hätten die Wissenschaftler auf Cyano-Bakterien (Blaualgen) gesetzt, berichtet der Oldenburger Umwelt-Wissenschaftler. Die Erwartungen seien jedoch enttäuscht worden. Die Bakterien überwucherten zwar in Matten die Öl verseuchten Strände und rissen die geschlossenen Asphalt-Decken auf. Öl abgebaut hätten sie jedoch nicht.

Nach dem Urteil von Höpner hat nicht nur der Golfkrieg von 1990/1991 massive Umweltschäden an den Stränden des Golfs verursacht. Bereits der vorangegangene Krieg zwischen Iran und Irak habe mit der Freisetzung von Öl dauerhaft zerstöre- rische Spuren in der Region hinterlassen. Bisher sei über die Öko-Folgen des Golf-Kriegs von 1983/1984 kaum etwas bekannt.

Über die kuwaitische Küste wüssten die Wissenschaftler allerdings genau, dass es dort weit reichende Verseuchungen aus dem zweiten Golfkrieg gebe. «Wenn auch meist von frischem hellem Sand überdeckt», sagt der Oldenburger Wissenschaftler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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