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Umweltschützer: Schweinswale in
der Ostsee stark bedroht
Umweltverbände und Wissenschaftler
befürchten ein Aussterben des Schweinswals in der Ostsee.
Jastarnia (dpa) - «Ohne
drastische Maßnahmen zur Rettung des Kleinen Tümmlers
könnte er schon in 20 Jahren aus der Ostsee verschwunden
sein», sagte die Vorsitzende der deutschen Gesellschaft
zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Petra Deimer, am Freitag
auf einer Konferenz in Jastarnia (Polen).
Es gebe nur noch knapp 600 der
kleinen, bis etwa 1,60 Meter langen Wale mit der stumpfen Schnauze,
so eine Schätzung. Tendenz abnehmend.
Um einen Plan zur Rettung des
Ostsee-Schweinswals auszuarbeiten, trafen sich von Mittwoch bis
Freitag etwa 40 Wissenschaftler, Behördenvertreter, Fischer
und Naturschützer in Jastarnia auf der polnischen Halbinsel
Hela.
Der Workshop gehört zum Abkommen
zur Erhaltung der Kleinwale in Nord- und Ostsee, ASCOBANS (Agreement
on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic and North
Seas) unter dem Dach der Vereinten Nationen.
Wie historische Dokumente belegen,
lebte der Kleine Tümmler einst in weiten Bereichen der Ostsee,
während er heute nur noch vor den Küsten Dänemarks,
Deutschlands und teilweise vor Schweden und Polen vorkommt. «Anders
als im vorigen Jahrhundert hat die Fischerei heute kein Interesse
an Schweinswalen, schadet ihnen aber unbeabsichtigt», erläuterte
Deimer.
Die genauen Bestandszahlen sind
nicht bekannt und werden hochgerechnet. Die Gesellschaft geht
aber davon aus, dass weit mehr Tiere im Beifang verenden, als
geboren werden.
Eine derart hohe fischereibedingte
Sterblichkeitsrate könne der Bestand auf Dauer nicht verkraften,
zumal die Tiere zusätzlich unter Umweltgiften litten, sagte
Deimer. In der Vergangenheit hätten ihnen vermutlich auch
strenge Eiswinter zu schaffen gemacht.
Eine Möglichkeit, Beifänge
zu reduzieren, wäre die Umrüstung der Fischerei, erläuterte
die Meeresbiologin. Vielversprechende Alternativen wären
nach Ansicht von Fischereiwissenschaftlern Fallen wie etwa Fischkörbe
statt Stellnetzen und Langleinen statt Treibnetzen.
Die auf der Konferenz anwesenden
Fischer äußerten allerdings Bedenken dagegen, berichtete
Deimer. Sie erklärten sich lediglich mit weiteren Untersuchungen
einverstanden, die die Möglichkeiten der Alternativen klären
sollen.
Um mehr über den Kleinen
Tümmler in Erfahrung zu bringen und ihn vor dem Aussterben
zu bewahren, ist auch die Öffentlichkeit gefragt. Menschen,
die lebende oder tote Schweinswale im Meer oder am Strand sichten,
sollten sich beim Deutschen Meeresmuseum in Stralsund melden,
sagte Deimer.
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