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- 11.01.2002 -


 

Brutpflege: Finkenmütter wissen es am besten

Weibliche Finken kontrollieren Geschlecht und Wachstum ihrer Brut und ermöglichen ihren Küken so einen optimalen Start ins Leben.

(jkm) - Indem sie ihr Lege-Verhalten an die jeweiligen Umweltbedingungen anpassen, erhöhen die Finkenmütter die Überlebenschancen ihres Nachwuchses beträchtlich, berichten amerikanische Biologen in der Zeitschrift "Science".

Die Biologen um Alexander Badyaev von der University of Auburn, Alabama, untersuchten Hausfinken (Carpodacus mexicanus). Ursprünglich lebten diese Spatzenvögel nur im trockenen Südwesten der USA und in Mexiko. Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie auch beliebte Haustiere.

Als 1939 die Käfighaltung von Finken verboten wurde, ließen mehrere New Yorker Tierhändler ihre "Ware" fliegen. Seitdem erobern Hausfinken von Osten kommend die USA. Zur gleichen Zeit begannen ihre kalifornischen Vettern mit dem Vorstoß nach Norden.

Die Forscher wollten herausfinden, wie sich zwei Finken- Populationen an so unterschiedliche Umgebungen wie das gebirgige Montana bzw. das feucht-warme Alabama angepasst hatten.

Sie entdeckten, dass die Weibchen beim Eierlegen offenbar planmäßig vorgehen: In Montana schlüpften aus den ersten Eiern eines Geleges meist weibliche Küken, aus den zuletzt gelegten Eiern dagegen überwiegend Männchen. Entgegen- gesetzte Verhältnisse fanden die Forscher in Alabama.

Badyaev und seine Kollegen konnten nachweisen, dass diese Reihenfolge eine Anpassung an die jeweiligen Umweltbedin- gungen ist: Die Sterblichkeit der Jungvögel sinkt dadurch um bis zu 20 Prozent.

Ursache ist der Einfluss der Lege-Reihenfolge auf das Wachstum der Tiere, fanden die Forscher: Beispielsweise hatten spät- geschlüpfte Männchen in Montana kürzere Beine, gleichaltrige Weibchen dagegen längere. In Alabama war es wiederum umgekehrt.

Woher die Finkenweibchen um die optimale Lege-Reihenfolge "wissen" und wie sie das Geschlecht der Eier beeinflussen, ist rätselhaft.

Im Gegensatz zu Säugetieren haben bei Vögeln die weiblichen Tiere zwei unterschiedliche Geschlechtschromosomen. Die Biologen vermuten daher, dass die Weibchen das "Geschlecht" ihrer Eizellen über Steroidhormone steuern. Gleichzeitig würden die Hormone auch das Wachstum der Jungtiere beeinflussen.

"Elterliche Effekte ermöglichen die Ansiedlung in neuen Umgebungen", glauben Badyaev und seine Kollegen, "und sind damit entscheidend für die Auseinanderentwicklung von Populationen."


© ArtToday

Weibchen und Junge

 


© ArtToday

Männchen

 

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