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Brutpflege: Finkenmütter wissen
es am besten
Weibliche Finken kontrollieren
Geschlecht und Wachstum ihrer Brut und ermöglichen ihren
Küken so einen optimalen Start ins Leben.
(jkm) - Indem sie ihr Lege-Verhalten
an die jeweiligen Umweltbedingungen anpassen, erhöhen die
Finkenmütter die Überlebenschancen ihres Nachwuchses
beträchtlich, berichten amerikanische Biologen in der Zeitschrift
"Science".
Die Biologen um Alexander Badyaev
von der University of Auburn, Alabama, untersuchten Hausfinken
(Carpodacus mexicanus). Ursprünglich lebten diese Spatzenvögel
nur im trockenen Südwesten der USA und in Mexiko. Anfang
des 20. Jahrhunderts waren sie auch beliebte Haustiere.
Als 1939 die Käfighaltung
von Finken verboten wurde, ließen mehrere New Yorker Tierhändler
ihre "Ware" fliegen. Seitdem erobern Hausfinken von
Osten kommend die USA. Zur gleichen Zeit begannen ihre kalifornischen
Vettern mit dem Vorstoß nach Norden.
Die Forscher wollten herausfinden,
wie sich zwei Finken- Populationen an so unterschiedliche Umgebungen
wie das gebirgige Montana bzw. das feucht-warme Alabama angepasst
hatten.
Sie entdeckten, dass die Weibchen
beim Eierlegen offenbar planmäßig vorgehen: In Montana
schlüpften aus den ersten Eiern eines Geleges meist weibliche
Küken, aus den zuletzt gelegten Eiern dagegen überwiegend
Männchen. Entgegen- gesetzte Verhältnisse fanden die
Forscher in Alabama.
Badyaev und seine Kollegen konnten
nachweisen, dass diese Reihenfolge eine Anpassung an die jeweiligen
Umweltbedin- gungen ist: Die Sterblichkeit der Jungvögel
sinkt dadurch um bis zu 20 Prozent.
Ursache ist der Einfluss der Lege-Reihenfolge
auf das Wachstum der Tiere, fanden die Forscher: Beispielsweise
hatten spät- geschlüpfte Männchen in Montana kürzere
Beine, gleichaltrige Weibchen dagegen längere. In Alabama
war es wiederum umgekehrt.
Woher die Finkenweibchen um die
optimale Lege-Reihenfolge "wissen" und wie sie das Geschlecht
der Eier beeinflussen, ist rätselhaft.
Im Gegensatz zu Säugetieren
haben bei Vögeln die weiblichen Tiere zwei unterschiedliche
Geschlechtschromosomen. Die Biologen vermuten daher, dass die
Weibchen das "Geschlecht" ihrer Eizellen über Steroidhormone
steuern. Gleichzeitig würden die Hormone auch das Wachstum
der Jungtiere beeinflussen.
"Elterliche Effekte ermöglichen
die Ansiedlung in neuen Umgebungen", glauben Badyaev und
seine Kollegen, "und sind damit entscheidend für die
Auseinanderentwicklung von Populationen."
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