25 Jahre Bonner Konvention - CMS - Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten

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Wüstenantilopen in Nordafrika: Haben sie eine Überlebenschance?

Die Antilopen in den Trockenzonen Nordafrikas im Sahel und der Sahara zählen zu den bedrohtesten Tierarten der Erde.

Sie ist für uns der Inbegriff der Anmut: die Antilope mit ihrem grazilen Körperbau, ihren kraftvollen und doch anmutigen Bewegungen und ihrem kurzen schwingenden Schwanz. Doch die Antilopen in den Trockenzonen Nordafrikas im Sahel und der Sahara zählen seit mehr als zwanzig Jahren zu den bedrohtesten Tierarten der Erde. Bürgerkriege in Algerien, Äthiopien und Sudan, Bevölkerungswachstum und zunehmende Armut in Teilen Nordafrikas und die Auflösung Jahrtausende alter Stammes- und Sozialstrukturen hatten verheerende Folgen für Mensch und Tier. Aber schon vor hundert Jahren fielen ganze Populationen von Antilopen dem Jagdtourismus zum Opfer. Noch heute veranstalten reiche Leute aus den Golfstaaten Jagdsafaris, bei denen Antilopen aus Hubschraubern und Jeeps mit automatischen Waffen getötet werden. Aber zumindest in Bezug auf die Antilopen ist damit Schluß; es gibt sie praktisch nicht mehr. Armut und der Verlust der Lebensgrundlage drängt die Menschen in der Region zur Wilderei. Jagdtouristen aus Europa und Amerika, Techniker, die nach Rohstoffen wie Öl und Mineralien forschten, Soldaten, Marodeure und die mitleidende Bevölkerung: alle bedienten sich aus dem, was die karge Natur hergab.

Sahara: Dramatischer Verlust an Vögeln und Säugetieren

Keine andere Region der sogenannten Paläarktik, die Europa, den Nahen Osten, und Teile Asiens nördlich des Himalaya und Nordafrika bis zum Beginn des Tropengürtels umschließt, hat mehr Vögel und Säugetiere verloren als die Sahara. Dieser dramatische Verlust verdeutlicht das ökologische Ungleichgewicht in Nordafrika. Die Zerstörung des Lebensraumes und die von Menschen verursachte Ausdehnung der Wüste in den letzten Jahrzehnten haben bereits zur Ausrottung einiger Arten geführt. Für die verbleibenden Arten in Wüstenhabitaten bedeutet es eine unmittelbare Gefahr. Einige Antilopen- und Gazellen-Arten sind weltweit vom Aussterben bedroht.

Monatelang ohne Wasser

Die herausragende Fähigkeit der Wüstenantilopen, selbst in großen Herden in unbewohnbaren Trockengebieten zu überleben, gab schon den ersten Forschern im Sahel und in der angrenzenden Sahara ein Rätsel auf. Monatelang können sie ohne Wasser auskommen. Pflanzen mit geringem Wassergehalt ersetzen ihnen offene Wasserstellen. Sie legen erstaunlich weite Strecken zurück, um karges, weit verstreutes Weideland aufzusuchen. Mit ihrem untrügerischen Instinkt wittern sie sogar auf 200 Kilometer Entfernung Regen. Ihre Gabe, frische Gräser in der Ferne aufspüren, gehört zu den Wundern der Natur. Im Gegensatz zu den Nutztieren, Rindern, Ziegen, Kamelen sorgen sie mit dem Abweiden bestimmter Pflanzen für deren Verbreitung und verhindern die fortschreitende Verwüstung. Somit spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Wahrung und nachhaltigen Nutzung des Lebensraumes. Seit jeher waren die Menschen in dieser Region auf die Antilopen angewiesen: ihr getrocknetes Fleisch war überall auf den Märkten Nordafrikas zu finden. Stämmen in der südlichen Sahara und im Sahel diente sie als Nahrungsquelle. Ohne die Antilope ist die Kultur der indigenen Völker unvorstellbar. Aber die Jahrtausende alte Kultur der Nomaden ist ebenso bedroht wie die wandernden Tierarten es sind.

Antilopen- und Gazellenarten vom Aussterben bedroht

Die Oryx-Antilope, die größte ihrer Art mit ihren beeindruckenden säbelförmigen Hörnern, ist bereits aus der freien Wildbahn verschwunden. Insgesamt sechs Antilopen- und Gazellenarten dieser Großregion, größer als Australien, sind im höchsten Maße vom Aussterben bedroht. Die Konvention wanderender wildlebender Tierarten (CMS) will diese Entwicklung aufhalten. Alle Arten sind auf Anhang I der Konvention verzeichnet. Auf internationaler Ebene ermöglicht dies eine konzertierte Aktion und strikten Schutz zum Wohle der Tiere.

Glücklicherweise lassen sich die meisten Antilopen und Gazellenarten in großen Gehegen von Zoos und Parks halten. Dies ist in den vergangenen Jahrzehnten geschehen, sodaß es von den meisten der sechs praktisch ausgerotteten nordafrikanischen Arten genügend Tiere in privaten Parks und zoologischen Gärten hauptsächlich in Europa und den USA gibt.
Ein erster Schritt in Richtung einet Wiederansiedlung dieser Tierarten in der Wildnis war und ist die systematische Gefangenschaftszucht. Die nachgezüchteten Tiere wurden nach Nordafrika transportiert. Ihre kontrollierte Auswilderung erfolgt zunächst in großen Nationalparks und anderen Schutzgebieten. Dort sollen sich die Tiere wieder an die Wildnis gewöhnen, sich vermehren. Apäter sollen dann die Zäume geöffnet werden, damit die Tiere hoffentlich ganz Nordafrika wieder besiedeln.

Aktionsplan zur Rettung der Tiere

Im Februar 1998 veranstalteten Experten aus den 14 Arealstaaten Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko, Senegal, Mauritanien, Burkina Faso, Mali, Niger, Nigeria, Tschad, Sudan und Äthiopien gemeinsam einen Workshop in Djerba, Tunesien. Wissenschaftliche Institutionen und Nichtregierungs-organisationen nahmen ebenso teil. Ergebnis war der Entwurf eines Aktionsplanes. Auf Initiative von CMS trat noch im selben Jahr der Aktionsplan zur Rettung dieser symbolträchtigen Tiere in Kooperation mit dem Königlich Belgischen Institut für Naturwissenschaften (IRSNB) in Kraft. Er sieht die Erhaltung und Wiederherstellung früherer Habitate als Voraussetzung für eine Auswilderung und Erholung der Bestände vor. Nur eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit in diesen Ländern kann den Anstoß zu den notwendigen Gesetzesinitiativen geben. Ziel ist es, das Projekt als Teil der sozio-ökonomischen Entwicklung in den Gemeinden vor Ort zu verankern. Ist die fortschreitende Wüstenbildung eingedämmt, kann langfristig der Ökotourismus die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen in der Region fördern.

Zahl wildlebender Antilopen geht unaufhörlich zurück

Im April 2002 gab die französische Regierung grünes Licht für ein internationales Global Environmental Fund-Projekt (GEF), das vom Fonds Français de l'environnement Mondial (FFEM), CMS und anderen Sponsoren kofinanziert wird. Trotz einiger erfolgreicher Maßnahmen zum Schutz der Tierwelt in Senegal, Niger, Tschad, Tunesien und Marokko in den 70er und 80er Jahren gingen die Bestände wildlebender Antilopen unaufhörlich zurück. Auch die Auswilderung von Tieren führte nicht zur Erholung der Bestände.

Derzeit arbeitet CMS ein Abkommen zwischen den 14 Arealstaaten aus: Denn erst wenn sie die Antilopen als gemeinsames kulturelles Erbe erkennen, kann die biologische Vielfalt der Region erhalten bleiben. Es gibt eine Chance, die Antilopen in der Steppe und Wüste Nordafrikas vor dem Aussterben zu bewahren. Mit ihrer einzigartigen Anpassung an Trockenheit und Dürre fällt ihnen bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt eine Schlüsselrolle zu. Damit sind sie für Natur und Menschheit von unschätzbarem Wert.



© Koenraad de Smet

Dünengazellen (Gazella leptoceros) im Nationalpark von Sidi Toui in Tunesien

 

 Mehr Informationen:

CMS - Convention on Migratory Species

 

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