25 Jahre Bonner Konvention - CMS - Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten

  Nachrichten aus Umwelt und Natur täglich frei Haus - abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter:
 
 
[ mehr Infos ]

 

Bedrohte Riesen: Walhaie

Wenn sein Name fällt, bekommt fast jeder Taucher grosse Augen. Doch Unterwasser-Begegnungen mit dem größten Fisch der Erde, dem Walhai, sind selten geworden.

Das Fleisch der Walhaie (Rhincodon typus) ist vor allem in Asien eine beliebte Delikatesse. Die große Nachfrage nach Walhai-Fleisch besonders in Taiwan und Hongkong, und die Aussicht auf über 3.000 € pro erlegtem Walhai verlocken Fischer immer wieder dazu, die Meeresgiganten zu jagen. So sind sie vielerorts bereits ausgestorben oder akut davon bedroht und finden sich heute auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten wieder.

 

Walhai: Jahrtausende lang hatte der größte Fisch der Welt kaum Feinde.

 

Rätselhafter Gigant

Die Dimensionen des friedlichen Planktonfressers erklären seinen Namen: Mit bis zu 14 Meter Länge, einer vier Meter hohen elegant geschwungenen Schwanzflosse, zwei Meter messenden Brustflossen, einem riesigen etwa 1,50 Meter breiten Maul, ihrer bis zu 10 cm dicken Haut und einem Gewicht von bis zu 15 Tonnen lassen die Knorpelfische so manche Walart klein aussehen.

Doch der Gigant ist in vielem noch rätselhaft, obwohl er in allen tropischen Meeren, besonders zwischen dem Äquator und dem 30./40. Breitengrad vorkommt. Zu bestimmten Jahreszeiten treffen sich die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 5 km/h gemächlich dahin gleitenden Einzelgänger, die im Gegensatz zu anderen Haiarten beim Schwimmen ihren ganzen Körper, und nicht nur die Schwanzflosse, mit Seitwärtsbewegungen einsetzen, in für sie offenbar sehr reizvollen Meeresgebieten. Dazu gehören die Gewässer vor der philippinischen Insel Pamilacan, der Golf von Kalifornien, die Küsten Mosambiks und Belizes und das Ningaloo Reef in Nordwestaustralien.

6.000 Liter Wasser pro Stunde durchfiltert

Nach Meinung von Wissenschaftlern geschieht dies entweder zur Paarung oder wegen eines saisonbedingten reichhaltigen Nahrungsangebotes. Letzteres könnte immerhin die jährlichen Walhai-Versammlungen am Ningaloo-Riff erklären. Dort stoßen zwischen April und Mai die Korallen Milliarden Eier und Spermien ins Wasser ab. Offensichtlich eine Delikatesse für Walhaie, die die eiweißreiche Kraftnahrung aus dem warmen Wasser Tag und Nacht mit ihrem bis zu 6.000 Liter Wasser pro Stunde fassenden Maul einsaugen und dann über sogenannte Kiemenreusen - Tausende von etwa 10 cm langen bartenähnlichen Plättchen - aus ihren jeweils 5 seitlichen Kiemenöffnungen ausseihen. Wie alle anderen Haie besitzen auch Walhaie Zähne, etwa 3000, deren Nutzen und Funktion allerdings unklar ist.

Die sanftmütigen Riesen gehören zu den 3 Filtrierern unter den Haien (die beiden anderen sind der Riesenhai und der Riesenmaulhai). Doch im Gegensatz zu den Riesenhaien sind Walhaie aktive Filtrierer. Sie erzeugen aktiv einen Sog und filtrieren die Nahrung, meist Plankton, aber auch Kleinkrebse, kleinere und grössere Fische wie Sardinen, Makrelen und sogar kleine Tunfische, anschließend wieder aus. Dabei schwimmen sie direkt an der Oberfläche, mitunter sogar in vertikaler Position. Doch der Eindruck, hier seien dumpfe Fressmaschinen am Werk, täuscht gewaltig. Es wird vermutet, dass ihr Gehirn mit Hilfe spezieller Rezeptorzellen zahlreiche Signale der Umwelt gleichzeitig verarbeitet: mechanische, chemische, visuelle und elektrische Reize.

Noch viele Geheimnisse

Niemand weiß bis heute, auf welchen Wegen die Walhaie zu ihren jährlichen Treffpunkten gelangen, noch wie die innere Uhr funktioniert, die es ihnen ermöglicht, zur gleichen Zeit am gleichen Ort einzutreffen, noch wo genau sie sich die übrige Zeit des Jahres aufhalten. Ebenso ist unklar, ob sich bei den regionalen Treffen tatsächlich Tiere der gleichen Art einfinden, oder ob es sich hier um voneinander getrennte Populationen handelt. Gleichfalls im Dunkeln liegen Informationen über ihre Lebenserwartung, ihre Entwicklung bis zur Geschlechtsreife oder ihr Paarungsverhalten. Ganz abgesehen davon, dass niemand weiß, wie viele dieser Giganten es überhaupt noch gibt.

Leichte Beute für Fischer

Ausgerechnet ihre Geheimnis umwitterten Treffen werden den Meeresbummlern zum Verhängnis. Da sie den Menschen als Feind nicht fürchten, sich Tauchern gegenüber sogar völlig friedlich verhalten und anfassen lassen, sind sie leichte Beute für Fischer, die es auf ihre kostbaren Flossen und ihr heiß begehrtes weißliches Fleisch abgesehen haben. Da hilft den großen Fischen auch nicht ihre gute Tarnung, mit ihrer weiß-gelb gefleckten und gestreiften Haut verschmelzen sie unter der Wasseroberfläche schwimmend optisch mit ihrer Umgebung.

So töteten die Fischer dreier Dörfer in Indien allein in einem Jahr etwa 1000 Walhaie, bis die Regierung im August 2001 die seltenen Tiere endlich unter strengsten Artenschutz stellte. Fang und Tötung der sanften Riesen ist seitdem verboten und wird bestraft. Damit folgt Indien Ländern wie den USA, Australien und den Philippinen, die bereits vor einiger Zeit den Handel mit Walhai-Produkten verboten hatten.

 


© WWF-Canon/Jürgen Freund

Walhaie sind eine Attraktion für Taucher und Touristen.

 

Aus Fischern werden Touristenführer

Gerade die kleine vor Bohol gelegene Insel Pamilacan auf den Philippinen war noch bis vor zwei Jahren ein Hotspot der grausamen Walhai-Jagd. Dabei schlägt man den Tieren einen schweren Eisenhaken in den Leib und zieht sie anschließend an Land, wo sie bei lebendigem Leib zerlegt werden und dabei qualvoll, oft über drei Tage lang, verenden. Um den Inselbewohnern von Pamilacan eine alternative Einkommensquelle zu ermöglichen, werden die Fischer dort seit 2 Jahren zu Touristenführern ausgebildet. Statt zu jagen, fahren die Jäger nun in umgerüsteten Fangbooten Touristen aufs Meer, wo diese, neben gelegentlichen Walhaien, an die elf Arten Wale und Delfine beobachten können.

Walhaie verenden als Beifang in Fischernetzen

Auch andernorts hat man das große wirtschaftliche Potenzial der friedlichen Walhai-Nutzung erkannt. Beim staatlich geschützten Ningaloo-Riff sind die Haie eine Touristenattraktion. Rund zehn Millionen Dollar bringen die Tauchtouren den Einheimischen jährlich ein. Dennoch wird der Fisch weltweit weiterhin intensiv gejagt. Die Gier nach Walhaifleisch in Taiwan oder Hongkong scheint unstillbar. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch Schlepp- und Stellnetze, in denen auch Walhaie als unbeabsichtiger Beifang verenden.

Diese Verluste lassen sich kaum ausgleichen, denn wie die meisten Haiarten vermehren sich Walhaie extrem langsam. Erst mit 30 Jahren werden sie geschlechtsreif, die Jungtiere schlüpfen bereits im Mutterleib aus den Eiern, so dass die Weibchen ihren über 60 cm langen Nachwuchs scheinbar lebend gebären.

Vereinbarung zum Schutz der Walhaie notwendig

Der mysteriöse Gigant wurde bereits 1999 auf Vorschlag der Philippinen auf Anhang II der Konvention zum Erhalt wandernder Arten (CMS) gestellt. 2005 plant das UN-Sekretariat zur Erhaltung wandernder Tierarten (CMS), auch bekannt unter dem Namen Bonner Konvention, eine Tagung über Walhai-Fischerei und den internationalen Handel mit Walhai-Fleisch mit dem Ziel eines Memorandum of Understanding abzuhalten. Gegenwärtig ist dies die beste Lösung, eine internationale Vereinbarung über den Schutz und - gegebenenfalls nachhaltige Nutzung - von Exemplaren dieser Art zu schließen. Populationen europäischer Fledermäuse, eurasisch-afrikanische Wasservögel, Kleinwale in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer und Schwarzen Meer werden bereits durch völkerrechtliche Verträge wirksam geschützt. Weiterhin wird die Verabschiedung einer internationalen Vereinbarung zum Walhai diskutiert. Es sind dies vielleicht die letzten Chancen für den größten Fisch der Erde.

 

 Mehr Informationen:

CMS - Convention on Migratory Species

Über Walhaie:

- Umweltstiftung WWF: Wal- und Riesenhai (pdf)

- Hai Stiftung

- Deutsche Elasmobranchier Gesellschaft

- Florida Museum of Natural History mit vielen Bildern

vista verde: Haie

 

 Lesen Sie auch:

25 Jahre Bonner Konvention - "Reisende ohne Pass"

Nomaden der Ozeane

Weitere Meldungen zum Thema Artenschutz

 

 Werbung

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

25 Jahre Bonner Konvention:  Home | Bonner Konvention | Feierlichkeiten | Arten | Presse | Kontakt

 

© vista verde 2004
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung