Auf Samtpfoten in den Artentod: Der Schneeleopard
Durch die Zerstörung seines Lebensraums
und Wilderei ist der seltene Schneeleopard akut von der Ausrottung
bedroht.
Seine Welt sind die harschen und zerklüfteten Berge Zentralasiens.
In Höhenlagen von 2500 und 6000 Metern verbringt der Schneeleopard
(Uncia uncia), auch Irbis oder Unze genannt, sein einzelgängerisches
Leben. Doch auch in diesem relativ unwirtlichen Lebensraum konnte
er seinem einzigen Feind, dem Menschen, nicht entkommen. Lebensraumzerstörung,
Dezimierung seiner Beutetiere und Wilderei haben die Populationen
an den Rand der Ausrottung getrieben. Schätzungen zufolge
soll es nur noch zwischen 3500 und 7000 Exemplare der auf der
Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten geführten
Großkatze in freier Wildbahn geben.
Mit großen Pfoten, die ihm die Pirsch über den Schnee
ermöglichen, und seiner Tarnung mit dunkelgrauen rosettenförmigen
Flecken auf rauchgrauem Fell, die ihn optisch mit der felsigen
Landschaft verschmelzen lässt, ist der Irbis perfekt an seine
natürliche Umgebung angepasst. Sein etwa 1.230.000 Quadratkilometer
großer Lebensraum, zumeist kaltes trockenes und halbtrockenes
Gebüsch- und Grasland oder auch kahle Zonen, umfasst den
Himalaja im äußersten Westen Chinas (Tibet), in Bhutan,
Nepal und Indien, den Hindukusch von Nordpakistan bis Afghanistan,
das Altai-Gebirge vom Süden der Mongolei bis nach Russland
und Kasachstan, sowie weitere sich bis nach Kirgistan, Usbekistan
und Tadschikistan erstreckende Gebirgszüge. Seine langen
Hinterbeine verleihen ihm gewaltige Sprungkraft, so dass der elegante
Jäger sogar Steinböcke oder Wildziegen verfolgen und
erlegen kann. Je nach Region stehen auch Blauschafe, Moschustiere,
Murmeltiere, Schneehühner oder verschiedene Fasanenarten
auf seinem Speiseplan.

© ArtToday
Schneeleopard: Ein Fell bringt auf dem Schwarzmarkt
bis zu 1400 Euro.
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Mangel an Beutetieren führt zur Jagd auf
Nutztiere
Doch immer weiter dringt der Mensch in den Lebensraum der Großkatze
vor, zerstückelt ihn durch Besiedelung und verursacht einen
Teufelskreis, der sicherlich am meisten zum stetigen Rückgang
der Irbis-Populationen beiträgt. Durch die Weidewirtschaft,
der dominierenden Nutzungsform, werden die Bestände der in
diesen Höhenlagen ohnehin schon spärlichen Beutetiere
dezimiert, so dass sich die opportunistischen Großkatzen
immer öfter auch Nutztiere, wie Hausschafe oder -ziegen,
Pferde oder junge Yaks greifen. Sie scheuen sich auch nicht, in
Korrale einzudringen, wo sie mehrere Tiere auf einmal töten.
Aus Rache erschießen die Hirten jeden Schneeleoparden, den
sie erwischen können. Sieben der 12 den Lebensraum des Irbis
umfassenden Länder nutzen bereits mehr als ein Viertel ihres
gesamten Bodens als Dauerweide.
Schneeleoparden als Kriegsopfer
Erschwerend hinzu kommt die instabile politische Lage in dieser
Region. Militärische Konflikte an den durch die wichtigsten
Lebensräume des Schneeleoparden verlaufenden Staatsgrenzen
haben die biologische Vielfalt der Berge zerstört. Wilderei
auf die in allen Anrainerstaaten geschützte Katze tragen
ihr Übriges zum Schwund der Populationen bei. Begehrt werden
nicht nur das schöne Fell der Tiere für den illegalen
internationalen Pelzhandel, um die große Nachfrage besonders
in Zentralasien, Russland und Osteuropa zu stillen, sondern auch
ihre Knochen und andere Körperteile für die traditionelle
asiatische Medizin. Zur Aufbesserung ihres schlechten Gehaltes
beteiligen sich oft auch die Grenzposten an der illegalen Jagd.

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Für den Menschen sind die scheuen zwischen
30 und 60 Kilogramm schweren Katzen ungefährlich,
obwohl ihre Beute oftmals das Dreifache ihres Körpergewichts
ausmacht.
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Geschmeidige Jäger an steilen Abhängen
Für den Menschen sind die scheuen zwischen 30 und 60 Kilogramm
schweren Katzen ungefährlich, obwohl ihre Beute oftmals das
Dreifache ihres Körpergewichts ausmacht. Nur wenn sie sich
oder ihren Nachwuchs bedroht sehen, verteidigen sie sich. Bei
einer Begegnung mit einem Menschen werden sie eher flüchten
als angreifen, selbst nicht zur Verteidigung eines erlegten Beutetieres.
Schneeleoparden brüllen nicht, wie beispielsweise Löwen,
sondern schnurren wie Hauskatzen. Ihr Hauptruf erinnert an den
des zur Gattung der Goldkatzen gehörenden Pumas (Profelis
concolor), wie auch die Fleckenzeichnung der Neugeborenen der
junger Pumas zum Verwechseln ähnlich ist.
Der geschmeidige Jäger lebt vorwiegend über der Baumgrenze
in zerklüftetem Terrain nahe steilen Abhängen, im Winter
wagt er sich gelegentlich bis auf Höhen von 1500 Meter herab.
Auf seinen Streifzügen bewegt sich der Irbis ungefähr
auf halber Höhe am Abhang entlang. Als Lager bevorzugt er
die Nähe von Gebirgskämmen und steilen Abhängen
oder andere eine gute Aussicht bietende Stellen. Vor der Kälte
schützt ihn sein langes Fell mit dichtem Unterhaar und ein
buschiger Schwanz, der fast noch einmal so lang sein kann wie
seine Körperlänge von 100 bis 130 cm und ihm zusätzliche
Wärme bietet, indem er ihn um Kopf und Körper schlingt.
Erhaltungsmaßnahmen sollen Artentod aufhalten
Sein unwegsamer Lebensraum ist auch der Grund für sein
wenig erforschtes Leben in freier Wildbahn. Man nimmt an, dass
ein einzelner Irbis ein Streifgebiet von weit über 100 Quadratkilometern
haben kann, in der Mongolei, wo geeignete Beutetiere Mangelware
sind, möglicherweise sogar an die 1000 Quadratkilometer.
Eine Revierabgrenzung nehmen sowohl Weibchen als auch Männchen
durch Spritzharne vor oder durch Ausgraben kleiner Mulden, in
die sie Urin oder Kot absetzen. Nur zur Paarung treffen Katze
und der etwa 30 Prozent größere Kater zusammen, danach
trennen sich ihre Wege, die Mutter zieht die Jungen nach einer
90 bis 100 Tage dauernden Tragzeit alleine auf. Würfe bestehen
meist aus 2 bis 3 Jungtieren, die zwischen 18 und 22 Monate bei
der Mutter bleiben, bevor sie auf sich selbst gestellt sind.
Der Schneeleopard wurde bereits 1985 auf Vorschlag von Deutschland
auf Anhang I der Konvention zum Erhalt wandernder Arten (CMS)
gesetzt. Lyle Glowka, Agreements Officer bei der CMS, stellte
anlässlich des letzten im Mai 2002 in Seattle, USA durchgeführten
und von der internationalen Stiftung "International Snow
Leopard Trust" organisierten Treffens zum Erhalt des Schneeleoparden
(Snow Leopard Survival Summit) mögliche CMS-Instrumente zur
Umsetzung weiterer Erhaltungsmaßnahmen in den betreffenden
Ländern vor. Mit diesen Instrumentarien will die CMS den
Sprung des Schneeleoparden in den Artentod in der freien Wildbahn
aufhalten.
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