25 Jahre Bonner Konvention - CMS - Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten

  Nachrichten aus Umwelt und Natur täglich frei Haus - abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter:
 
 
[ mehr Infos ]

 

Auf Samtpfoten in den Artentod: Der Schneeleopard

Durch die Zerstörung seines Lebensraums und Wilderei ist der seltene Schneeleopard akut von der Ausrottung bedroht.

Seine Welt sind die harschen und zerklüfteten Berge Zentralasiens. In Höhenlagen von 2500 und 6000 Metern verbringt der Schneeleopard (Uncia uncia), auch Irbis oder Unze genannt, sein einzelgängerisches Leben. Doch auch in diesem relativ unwirtlichen Lebensraum konnte er seinem einzigen Feind, dem Menschen, nicht entkommen. Lebensraumzerstörung, Dezimierung seiner Beutetiere und Wilderei haben die Populationen an den Rand der Ausrottung getrieben. Schätzungen zufolge soll es nur noch zwischen 3500 und 7000 Exemplare der auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten geführten Großkatze in freier Wildbahn geben.

Mit großen Pfoten, die ihm die Pirsch über den Schnee ermöglichen, und seiner Tarnung mit dunkelgrauen rosettenförmigen Flecken auf rauchgrauem Fell, die ihn optisch mit der felsigen Landschaft verschmelzen lässt, ist der Irbis perfekt an seine natürliche Umgebung angepasst. Sein etwa 1.230.000 Quadratkilometer großer Lebensraum, zumeist kaltes trockenes und halbtrockenes Gebüsch- und Grasland oder auch kahle Zonen, umfasst den Himalaja im äußersten Westen Chinas (Tibet), in Bhutan, Nepal und Indien, den Hindukusch von Nordpakistan bis Afghanistan, das Altai-Gebirge vom Süden der Mongolei bis nach Russland und Kasachstan, sowie weitere sich bis nach Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan erstreckende Gebirgszüge. Seine langen Hinterbeine verleihen ihm gewaltige Sprungkraft, so dass der elegante Jäger sogar Steinböcke oder Wildziegen verfolgen und erlegen kann. Je nach Region stehen auch Blauschafe, Moschustiere, Murmeltiere, Schneehühner oder verschiedene Fasanenarten auf seinem Speiseplan.

 


© ArtToday

Schneeleopard: Ein Fell bringt auf dem Schwarzmarkt bis zu 1400 Euro.

 

Mangel an Beutetieren führt zur Jagd auf Nutztiere

Doch immer weiter dringt der Mensch in den Lebensraum der Großkatze vor, zerstückelt ihn durch Besiedelung und verursacht einen Teufelskreis, der sicherlich am meisten zum stetigen Rückgang der Irbis-Populationen beiträgt. Durch die Weidewirtschaft, der dominierenden Nutzungsform, werden die Bestände der in diesen Höhenlagen ohnehin schon spärlichen Beutetiere dezimiert, so dass sich die opportunistischen Großkatzen immer öfter auch Nutztiere, wie Hausschafe oder -ziegen, Pferde oder junge Yaks greifen. Sie scheuen sich auch nicht, in Korrale einzudringen, wo sie mehrere Tiere auf einmal töten. Aus Rache erschießen die Hirten jeden Schneeleoparden, den sie erwischen können. Sieben der 12 den Lebensraum des Irbis umfassenden Länder nutzen bereits mehr als ein Viertel ihres gesamten Bodens als Dauerweide.

Schneeleoparden als Kriegsopfer

Erschwerend hinzu kommt die instabile politische Lage in dieser Region. Militärische Konflikte an den durch die wichtigsten Lebensräume des Schneeleoparden verlaufenden Staatsgrenzen haben die biologische Vielfalt der Berge zerstört. Wilderei auf die in allen Anrainerstaaten geschützte Katze tragen ihr Übriges zum Schwund der Populationen bei. Begehrt werden nicht nur das schöne Fell der Tiere für den illegalen internationalen Pelzhandel, um die große Nachfrage besonders in Zentralasien, Russland und Osteuropa zu stillen, sondern auch ihre Knochen und andere Körperteile für die traditionelle asiatische Medizin. Zur Aufbesserung ihres schlechten Gehaltes beteiligen sich oft auch die Grenzposten an der illegalen Jagd.

 


© ArtToday

Für den Menschen sind die scheuen zwischen 30 und 60 Kilogramm schweren Katzen ungefährlich, obwohl ihre Beute oftmals das Dreifache ihres Körpergewichts ausmacht.

 

Geschmeidige Jäger an steilen Abhängen

Für den Menschen sind die scheuen zwischen 30 und 60 Kilogramm schweren Katzen ungefährlich, obwohl ihre Beute oftmals das Dreifache ihres Körpergewichts ausmacht. Nur wenn sie sich oder ihren Nachwuchs bedroht sehen, verteidigen sie sich. Bei einer Begegnung mit einem Menschen werden sie eher flüchten als angreifen, selbst nicht zur Verteidigung eines erlegten Beutetieres. Schneeleoparden brüllen nicht, wie beispielsweise Löwen, sondern schnurren wie Hauskatzen. Ihr Hauptruf erinnert an den des zur Gattung der Goldkatzen gehörenden Pumas (Profelis concolor), wie auch die Fleckenzeichnung der Neugeborenen der junger Pumas zum Verwechseln ähnlich ist.

Der geschmeidige Jäger lebt vorwiegend über der Baumgrenze in zerklüftetem Terrain nahe steilen Abhängen, im Winter wagt er sich gelegentlich bis auf Höhen von 1500 Meter herab. Auf seinen Streifzügen bewegt sich der Irbis ungefähr auf halber Höhe am Abhang entlang. Als Lager bevorzugt er die Nähe von Gebirgskämmen und steilen Abhängen oder andere eine gute Aussicht bietende Stellen. Vor der Kälte schützt ihn sein langes Fell mit dichtem Unterhaar und ein buschiger Schwanz, der fast noch einmal so lang sein kann wie seine Körperlänge von 100 bis 130 cm und ihm zusätzliche Wärme bietet, indem er ihn um Kopf und Körper schlingt.

Erhaltungsmaßnahmen sollen Artentod aufhalten

Sein unwegsamer Lebensraum ist auch der Grund für sein wenig erforschtes Leben in freier Wildbahn. Man nimmt an, dass ein einzelner Irbis ein Streifgebiet von weit über 100 Quadratkilometern haben kann, in der Mongolei, wo geeignete Beutetiere Mangelware sind, möglicherweise sogar an die 1000 Quadratkilometer. Eine Revierabgrenzung nehmen sowohl Weibchen als auch Männchen durch Spritzharne vor oder durch Ausgraben kleiner Mulden, in die sie Urin oder Kot absetzen. Nur zur Paarung treffen Katze und der etwa 30 Prozent größere Kater zusammen, danach trennen sich ihre Wege, die Mutter zieht die Jungen nach einer 90 bis 100 Tage dauernden Tragzeit alleine auf. Würfe bestehen meist aus 2 bis 3 Jungtieren, die zwischen 18 und 22 Monate bei der Mutter bleiben, bevor sie auf sich selbst gestellt sind.

Der Schneeleopard wurde bereits 1985 auf Vorschlag von Deutschland auf Anhang I der Konvention zum Erhalt wandernder Arten (CMS) gesetzt. Lyle Glowka, Agreements Officer bei der CMS, stellte anlässlich des letzten im Mai 2002 in Seattle, USA durchgeführten und von der internationalen Stiftung "International Snow Leopard Trust" organisierten Treffens zum Erhalt des Schneeleoparden (Snow Leopard Survival Summit) mögliche CMS-Instrumente zur Umsetzung weiterer Erhaltungsmaßnahmen in den betreffenden Ländern vor. Mit diesen Instrumentarien will die CMS den Sprung des Schneeleoparden in den Artentod in der freien Wildbahn aufhalten.

 

 Mehr Informationen:

CMS - Convention on Migratory Species

International Snow Leopard Trust

Schneeleoparden- Projekt des NABU

Studie von WWF und TRAFFIC zum Schneeleoparden

 

 Lesen Sie auch:

25 Jahre Bonner Konvention - "Reisende ohne Pass"

Afghanistan: Schneeleoparden als Kriegsopfer

Weitere Meldungen zum Thema Artenschutz

 

 Werbung

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

25 Jahre Bonner Konvention:  Home | Bonner Konvention | Feierlichkeiten | Arten | Presse | Kontakt

 

© vista verde 2004
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung