25 Jahre Bonner Konvention - CMS - Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten

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S.O.S. - Die Ausrottung der Meeresschildkröten

Meeresschildkröten bewohnen seit Urzeiten die Ozeane und müssen heute um ihr Überleben kämpfen.

Seit über 250 Millionen Jahren, weit vor der Zeit der Saurier, leben sie in den Weltmeeren in fast unveränderter Form und Aussehen. Gemeinsam mit Salzwasserkrokodilen, Meeresschlangen und den Galapagos-Meerechsen gehören Meeresschildkröten heute zu den einzigen Reptilienarten, die im Salzwasser leben. Sie kommen weltweit in tropischen und temperierten Gewässern vor. Die meisten Arten bis auf die Lederschildkröte und einige Bastardschildkröten bevorzugen seichte Küstengewässer. Aber alle schwimmen extrem weite Strecken von ihren Nahrungsgründen zu ihren Niststränden. Heute sind die sieben noch existierenden Arten vom Aussterben bedroht. Im Rahmen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) setzt sich die CMS mit vielfältigen Aktivitäten für den Schutz und das Überleben diese faszinierenden und einzigartigen Tiergruppe ein.

Meeereschildkröten fressen Quallen, Algen, Muscheln, Kerbtiere, Seegras und manchmal meist kranke Fische. Ihre Vorderextremitäten sind zu langen Paddelflossen umgeformt, mit denen sie ausgezeichnet schwimmen und tauchen können. Nur zur Eiablage kommen die dann recht schwerfällig wirkenden weiblichen Panzerträger nach etwa 15 Jahren im Meer alle zwei bis drei Jahre an Land, immer nach Einbruch der Dunkelheit. Ihre Spuren gleichen denen eines Kettenfahrzeuges und sind leicht auszumachen. Ist ein günstiger Platz für das Nest gefunden, gräbt das Weibchen mit den hinteren Flossen eine etwa 60 cm tiefe, kreisrunde Legehöhle mit einem Durchmesser von etwa 15 cm. Anschließend beginnt sofort die Eiablage. Binnen 30 Minuten legt sie zwischen 50 und 200 weichschalige Tischtennisball große Eier. Dann schaufelt sie die Höhle mit den hinteren Flossen zu und kehrt ins Meer zurück.

Weniger als 1 Prozent der Jungtiere überlebt

Die Jungen, deren Geschlechterbildung über die Temperatur im Nest erfolgt, werden von der Sonne ausgebrütet. Bei 28 Grad Celsius schlüpfen nur männliche Tiere, bei etwa 32 Grad nur weibliche. Nach 45 bis 70 Tagen graben sich die Minischildkröten aus ihrem wohltemperierten dunklen Brutkasten und krabbeln, wie von einer inneren Uhr gesteuert, schnurstracks auf den hellsten Horizont, den Ozean, zu. Es ist ein Wettlauf mit dem Tod. Befinden sich Lichtquellen von Hotels, Restaurants oder Straßen in der Nähe, die heller als das Meer sind, steuern sie diese an und finden nicht mehr ins Meer. Gierig stürzen sich Krabben und Möven auf die frisch Geschlüpften, nur wer schnell ist und Glück hat, erreicht das Wasser, wo weitere Gefahren lauern. Junge Schildkröten sind bei Raubfischen eine beliebte und leicht zu fangende Speise. Man schätzt, dass lediglich 0,5% aller geschlüpften Tiere das geschlechtsreife Alter erreichen. Die Weibchen schwimmen oft über 13.000 Kilometer genau an den Strand zurück, an dem sie einst das Licht der Welt erblickten. Dabei orientieren sich die wackeren Schwimmer wahrscheinlich mit einem körpereigenen Kompass anhand des Magnetfelds der Erde auf einem Weg, der ihnen von Geburt an bekannt ist.

 


© NOAA/Northeast Distant Fishery Experiment

Eine Lederschildkröte wird für die Wissenschaft gefangen.

 

Gigantische Lederschildkröte am stärksten bedroht

Das größte Meeresreptil der Welt ist die Lederschildkröte. Sie wird bis zu 600 Kilogramm schwer, erreicht eine Panzerlänge von 2,1 Meter und kann über 800 Meter tief tauchen. Ausgerechnet der Gigant ist zugleich die am stärksten bedrohte Art, die nach Ansicht von Experten bereits innerhalb der nächsten Jahre aussterben könnte. Während ihr Fleisch für den Menschen giftig ist, sind die Eier ein begehrtes Nahrungsmittel.

Insgesamt weiß man bis heute aber immer noch sehr wenig über die Biologie der Weitschwimmer. Wo sie sich während ihrer langen Wanderungen genau aufhalten, wie alt sie werden oder wie Männchen und Weibchen in den Weiten der Ozeane zueinander finden ist unbekannt. Es besteht die akute Gefahr, das sich diese Wissensdefizit nicht wird beheben lassen. Vorbei sind die Zeiten, als der Mensch eine besondere Beziehung zu ihnen hatte. Bereits in der frühen Steinzeit wurden sie kultisch verehrt. In vielen Sagen, z.B. in der griechischen Lyra spielt die Schildkröte eine wichtige Rolle. Die Griechen verehrten sie in der Antike als göttliche Tiere, bildeten auf der ersten Münze von Ägina rund 600 v. Chr. eine Meeresschildkröte ab, heute verbauen sie Niststrände mit Hotelanlagen. In Bali werden sie religiös verehrt und sind Wappentier.

Sechs der sieben Arten, Suppenschildkröte (Chelonia mydas), Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata), Unechte Karettschildkröte (Careta caretta), Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea), Atlantische Bastardschildkröte (L. kempii) und die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) stehen auf Anhang I der CMS, während die Australische Suppenschildkröte (Natator depressus) auf Anhang II geführt wird.

 


© ArtToday

Suppenschildkröten leben in den Küstengebieten tropischer und subtropischer Meere.

 

Zehntausende sterben als Fleischlieferanten

Fast scheinen die Gefahren zu vielfältig, um ihr Überleben auf lange Sicht zu gewährleisten. Meeresschildkröten sterben weltweit zu Zehntausenden als Fleischlieferanten - allein in Bali wurden noch bis vor wenigen Jahren bis zu 30.000 Suppenschildkröten jährlich geschlachtet. Das aus der obersten Panzerschicht gewonnene Schildpatt einer Karettschildkröte kann auf dem Weltmarkt etwa 5.000 € pro Kilogramm einbringen. Sie ertrinken als Lungenatmer in Fischernetzen, ihre Strände werden durch den Bau von Hotelanlagen zerstört, die Jungen laufen, abgelenkt durch künstliche Lichtquellen, in die falsche Richtung, Nester werden wegen der als Delikatesse oder Potenzmittel beliebten Eier geplündert. Zusätzliche Gefahren lauern in der zunehmenden Verschmutzung der Ozeane. Sie vergiften sich in Ölteppichen oder verschlucken herumtreibende Plastiktüten, die sie irrtümlich für Quallen halten. Andere werden durch Schiffsschrauben grausam verstümmelt. So im indischen Orissa, wo sich jedes Jahr fast 700.000 Meeresschildkröten den Strand hinauf schleppen. Allein während der Brutsaison 2000 fanden hier schätzungsweise 20.000 verletzte Tiere den Tod. Orissa, der größte Nistplatz dieser Reptilien, ist heute zugleich ihr größter Friedhof.

Umfassende Schutzmaßnahmen notwendig

Innerhalb von nur 30 Jahren haben es die Menschen geschafft, diese eleganten Urtiere beinahe auszurotten. Um die fatale Entwicklung aufzuhalten, hat die CMS bislang 2 regionale Vereinbarungen verabschiedet. Während die eine alle Anrainerstaaten des Indischen Ozeans sowie Süd-Ost-Asien umfasst und von bislang 11 Ländern unterzeichnet wurde, umfasst die andere 25 Staaten der afrikanischen Atlantikküste von Marokko bis Südafrika. Zu den Zielen gehören unter anderem die Ausarbeitung umfassender Schutzmaßnahmen, die Initiierung und Entwicklung lokaler Schutzprojekte und die Einrichtung einer zentralen Koordinationsstelle für die Umsetzung der Vereinbarungen. Darüber hinaus unterstützt die CMS zoologische Studien in West Afrika zur Entwicklung eines Prototyps für ein globales Informationssystem mit einer Datenbank für alle Nistplätze im Gebiet des Indischen Ozeans sowie eine genetische Studie über Wanderungsbewegungen im Indo-Pazifik. Zusätzlich werden eine Beifangstudie und ein Markierungsprogramm für Bastardschildkröten in Sri Lanka gefördert, um lokale Fischer für den Schutz der Tiere zu sensibilisieren.

Außerdem veranstaltet die CMS regelmäßige Workshops für Wissenschaftler und Naturschutzexperten aus Ländern des westlichen und nördlichen Indischen Ozeans und der westafrikanischen Anrainerstaaten. Hierbei konnte bereits ein Meeresschildkröten-Aktionsplan für Kenia oder die Entwicklung eines regionalen CMS-Meeresschildkröten-Aktionsplans für den nördlichen Indischen Ozean unter Dach und Fach gebracht werden. Diese Aktionspläne sollen die Basis für die Entwicklung einer nationalen und internationalen Gesamtstrategie für den Meeresschildkrötenschutz im gesamten Indischen Ozean bilden. Die bislang umfangreichste Bestandsaufnahme über den Status der Meeresschildkröten entlang der afrikanischen Atlantikküste wurde von der CMS finanziert und in 2001 publiziert.

Dies sind nur einige Beispiele dafür, mit welch hoher Priorität die CMS den Erhalt der auf Anhang I gelisteten Meeresschildkrötenarten behandelt. Die CMS ist sich ihrer hohen Verantwortung bewusst, diesen rätselhaften Meeresbewohnern eine Chance zu geben.

 

 Mehr Informationen:

CMS - Convention on Migratory Species

Umweltstiftung WWF: Meeresschildkröten

 

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