Albatrosse: Nomaden der Ozeane
Die Nomaden der Ozeane legen schier unglaubliche
Entfernungen zurück. Aber die Zeiten der Seefahrerromantik
sind für fast alle Albatrosarten längst abgelaufen.
Wer kennt ihn nicht, den Flugkünstler mit der größten
Spannweite unter den Seevögeln, den Albatros. Stundenlang
kann er ohne einen Flügelschlag in den Lüften segeln,
was bei Flügelspannbreiten von 2 bis 3,50 m, 1,22 m Körperlänge
und je nach Art zwischen 1 und 12 kg Körpergewicht gar nicht
so einfach ist. Für ihre Flugkünste nutzen die majestätischen
Riesenvögel Luftströmungen über der Meeresoberfläche
und können dabei Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h oder
mehr erreichen.
Sie sind Nomaden der Lüfte, die bis auf wenige Arten, getragen
von ihren geschmeidigen Schwingen, schier unglaubliche Entfernungen
zurücklegen. Über den gesamten Pazifik oder die südlichen
Ozeane führen ihre Reisen. Selbst bei der Nahrungssuche für
ihre Jungen schrecken sie nicht davor zurück, über 6.000
km weit zu fliegen. Geleitet von einem ungewöhnlich gut ausgebildeten
Geruchssinn spüren sie Tintenfische, Krill, Oberflächen
nah schwimmende Fische, Tran oder schwimmenden Abfall auf und
fangen die Beute durch Eintauchen des Schnabels unter die Wasseroberfläche.
Manche Arten können sogar exzellent tauchen. Wie andere Seevögel
trinken sie Meerwasser und scheiden das Salz durch Nasendrüsen
wieder aus.
Selbst auf große Entfernungen folgen Albatrosse Schiffen,
lassen sich gerne, oft gemeinsam mit Kaptauben oder Riesensturmvögeln,
auf dem Heck nieder, um sich mit den anderen Mitreisenden um Abfallbrocken
aus der Kombüse zu balgen. Die Vögel mit dem charakteristischen
kräftigen, gebogenen Schnabel, den großem Schwimmfüßen
und der markanten meist schwarz-weißen Gefiederzeichnung
boten viel Stoff für Seefahrerlegenden: So sollen die Seelen
ertrunkener oder über Bord gegangener Kameraden in den grauen
Rußalbatrossen weiter leben.

© ArtToday
Brütender Laysan-Albatros: Eine große
Bedrohung für die Albatrosse ist die Fischerei mit
so genannten Langleinen.
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Viele Arten vom Aussterben bedroht
Die Zeiten der Seefahrerromantik sind für fast alle Albatrosarten
aber längst abgelaufen. Heute ist die 24 Arten umfassende
Albatros-Familie (Diomedeidae) unter allen Vogelfamilien diejenige
mit der höchsten Zahl an vom Aussterben bedrohten Arten.
Vom Amsterdam-Albatros (Diomedea amsterdamensis) soll es nur noch
fünf bis acht Brutpaare geben. Fast alle Arten leben in der
südlichen Hemisphäre, davon kommen allein 18 nur rund
um Australien vor. Sind sie einmal in der Luft, bleiben sie meist
auch da, entweder über den Weiten der Ozeane, wie der Graukopfalbatros
(Diomedea chrysostoma) oder über Küstengewässern
wie der Weißkappenalbatros (Diomedea cauta).
Fast nur zur Partnerwahl, wenn sie mit sechs bis zehn Jahren
die Geschlechtsreife erreicht haben, und zur Eiablage kehren die
Albatrosse auf festen Boden zurück, meist kleine unberührte
Inseln. Die nach ausgedehnten Balztänzen in lebenslanger
treuer Ehe vereinten Partner kümmern sich gemeinsam zwischen
110 und 304 Tage lang um das einzige Jungtier. Seine Nahrung besteht
aus ausgewürgtem öligen Tran, den die Eltern aus der
aufgenommen Nahrung produzieren. Bis zu 1,8 kg des Energietrunks
kann ein junger Albatros bei einer Fütterung verspeisen.
Manche Arten pflanzen sich nur alle 2 bis 3 Jahre fort, andere
brüten jährlich.
Obwohl mit einer Lebenserwartung von bis zu 85 Jahren ausgestattet,
erreichen nur noch wenige der eleganten Flieger dieses für
Vögel biblische Alter. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts sinkt
die Zahl der Albatrosse stetig. Schon die frühen Seefahrer
aßen ihr Fleisch und die Eier, die sehr schmackhaft sind.
Als ihre Federn für Bettzeug und Damenhüte immer beliebter
wurden, begann der Mensch den Albatros intensiver zu bejagen.
Ganze Kolonien wurden zerstört. Ein Teil ihrer Brutinseln
wurde von den Menschen in Besitz genommen, die Vögel mussten
weichen. Um Flugzeuge vor Zusammenstößen zu schützen,
wurden Tausende der wertvollen Tiere getötet.

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Der Kurzschwanz-Albatros
kommt heute nur noch im Nordwestpazifik vor.
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Tod am Haken
Bei Gefahr spucken Albatrosse mit guter Treffsicherheit Angreifern
ihren tranigen Mageninhalt entgegen. Doch diese einzige Art der
Selbstverteidigung ist wirkungslos gegen ihre größte
Bedrohung: die industrielle Langleinenfischerei. Dabei werden
lange Leinen ausgeworfen, an denen alle paar Meter ein Haken mit
einem Köder befestigt ist. Diese Leinen sind ca. 130 Kilometer
lang und mit bis zu 3.000 Haken bestückt. Hauptziele dieser
Fangmethode sind Tunfische und Schwarze Seehechte. Albatrosse
können die Köder nicht von Fischen unterscheiden, sie
stürzen sich auf die vermeintliche Beute, Widerhaken bohren
sich durch Schnabel und Schlund, die großen Vögel werden
unter Wasser gezogen und ertrinken. Auch im Südpolarmeer,
bislang einsames Albatros-Territorium, werden die heimtückischen
Leinen bereits eingesetzt.
Über 100.000 Albatrosse, so wird geschätzt, sterben
jährlich durch Langleinen und allein die illegale Fischerei
von Fangflotten aus Lateinamerika und Skandinavien nach dem Schwarzen
Seehecht hat in nur einem Jahr etwa 15 Prozent einiger Populationen
getötet. Diese hohen Verluste sind kaum noch wett zu machen.
Jahrelang waren die eindrucksvollen Segler über den Meeren
ohne Lobby. Deshalb verabschiedete die Konvention zur Erhaltung
wandernder wildlebender Tierarten (CMS), die 12 Albatrossarten
auf Anhang II und zwei auf Anhang I gelistet hat, im Juni 2001
ein internationales Abkommen zum Schutz der Albatrosse und Sturmvögel
(ACAP), im Februar 2004 trat es in Kraft. Neun Staaten, darunter
mit Spanien eine der wichtigsten Fischfangnationen, haben die
Vereinbarung bislang unterzeichnet. Ein vielleicht entscheidender
Schritt für das Überleben der Nomaden der Lüfte.
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